20 September 2020

Der rote Peststein und seine Geschichte

Castello ist der größte Stadtteil von Venedig. Er ist vor allem für die berühmte Biennale bekannt, die alle zwei Jahre dort stattfindet.

Doch es gibt hier noch etwas anderes zu entdecken, das für die Venezianer von großer Bedeutung ist: In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über den roten Peststein und seine unglaubliche Geschichte!




Im 17. Jahrhundert wütete erneut die gefürchtete Pest in Venedig. Bereits 300 Jahre zuvor hatte sie unzählige Menschen das Leben gekostet. Dementsprechend groß war die Angst, als der schwarze Tod die Stadt im Jahre 1630 wiederholt heimsuchte. 


Der Sotoportego de la Corte Nova mit Peststein
In dem kleinen, zu Castello gehörenden Viertel Corte Nova lebte zu dieser Zeit eine gläubige Frau namens Giovanna. Eines Tages erschien ihr die heilige Mutter Gottes in einer Vision. Diese trug ihr auf, gemeinsam mit den anderen Bewohnern ein Bild zu malen, welches neben der Madonna auch die drei Heiligen San Rocco, San Sebastiano und Santa Giustina darstellen sollte. Als geeigneten Platz für das Gemälde bestimmte sie den kleinen Durchgang Sotoportego de la Corte Nova. Hier befand sich bereits seit längerem ein Bild der heiligen Jungfrau Maria. Das neue Gemälde sollte seinen Platz direkt gegenüber erhalten und die Bewohner des Corte Nova fortan vor der Pest schützen. Aufgeregt erzählte Giovanna den Nachbarn von ihrer Vision und so fingen sie alle gemeinsam an, zu malen. Als das Bild fertig war, hängten sie es wie von der Gottesmutter verlangt an die freie Wand des Durchgangs.

Die Prophezeiung erfüllte sich: Alle Bewohner der kleinen Gemeinschaft blieben tatsächlich von der Pest verschont. Bis heute glauben die Venezianer, dass das heilige Gemälde die Seuche davon abgehalten hat, den Durchgang zu passieren und die Krankheit so an Ort und Stelle in den Boden verbannt wurde. 


Der rote Peststein
In Erinnerung an das unglaubliche Wunder legten die Bewohner des Corte Nova kurze Zeit später den roten Peststein (ital. Pietra rossa del Sotoportego de la peste) in den Boden. Er symbolisiert die Niederlage der Pest und soll gleichzeitig den vielen Menschen gedenken, die der schrecklichen Seuche zum Opfer gefallen sind. Der Eingangsbereich im Innern des Durchgangs wurde mit der Inschrift "Fuggi nè pensi d’entrar peste ria questa corte è benedetta da Maria" versehen. Dies bedeutet soviel wie: "Flieht und denkt nicht darüber nach, der Pest zu verfallen, denn dieser Platz wurde von Maria gesegnet".



Um zu dem besagten Sotoportego zu gelangen, müsst ihr die Brücke Ponte de la Corte Nova in östlicher Richtung überqueren. Nach etwa 30 m befindet sich der geheimnisvolle Durchgang auf der linken Seite (neben Hausnummer 2867). Dank seinem steinernen Vorhang erkennt man ihn sofort. Die Venezianer haben übrigens großen Respekt vor dem roten Stein und betreten ihn nicht. Zu groß ist die Angst vor einem möglichen Unheil. Überlegt euch also vorher, ob ihr das Unglück herausfordern wollt! ;)



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