Sonntag, 16. Februar 2020

Giustina Rossi - Eine Heldin von Venedig

Sehenswürdigkeiten gibt es in Venedig viele. Allerdings stecken die interessantesten Geschichten oft in völlig unscheinbaren Dingen. So verbirgt sich auch hinter diesem Relief ein äußerst bedeutsames Ereignis!

Im heutigen Artikel erfahrt ihr mehr über die Frau, die dank eines Mörsers als Heldin in die venezianische Geschichte einging!



Kaum jemand bemerkt das alte Kunstwerk, das sich ganz in der Nähe des Markusplatzes an einer Hausfront  befindet. Dabei wurde es in Erinnerung an einen wichtigen Vorfall an Ort und Stelle platziert: Denn dass Venedig viele Jahre lang eine freie und unabhängige Republik blieb, hat die Stadt unter anderem einer alten Dame zu verdanken...

Am 15. Juni 1310 brach der junge Baiamonte Tiepolo (Enkel des Dogen Lorenzo Tiepolo und Urenkel des Dogen Jacopo Tiepolo) zusammen mit einer Gruppe von Männern auf, um die Regierung der Lagunenstadt zu stürzen. Ziel des Aufstandes war die Einführung einer Erbmonarchie in Venedig. Begonnen hatte alles mit der Schließung des Großen Rates im Jahre 1297, was zur Folge hatte, dass fortan nur noch ausgewählte Mitglieder der Adelsfamilien ein Zugangsrecht erhielten. Neuzugänge waren demnach nur noch in Ausnahmefällen möglich und der größte Teil der Bevölkerung hierdurch dauerhaft von der Teilnahme an der Macht ausgenommen.

Das Relief zu Ehren von Giustina Rossi
Fest entschlossen, das Regierungsgebäude anzugreifen, lief die Armee also am besagten Tag in Richtung Markusplatz. Die alte Giustina Rossi, deren Wohnung sich ganz in der Nähe befand, war gerade dabei, einige Kräuter mithilfe von Mörser und Stößel für das Essen vorzubereiten, als sie von draußen Unruhe vernahm. Mit dem Utensil in der Hand lief sie ans Fenster um zu schauen, was dort vor sich ging. Man weiß nicht, ob es Absicht war, oder ob sie den schweren Mörser versehentlich fallen ließ. Fakt ist jedoch, dass das Küchengerät aus dem Fenster fiel und den Fahnenträger der aufständischen Armee am Kopf traf. Er brach zusammen und war auf der Stelle tot. Das unvorhergesehene Ereignis sorgte für derartige Verwirrung unter den Männern, dass sie irritiert wieder abrückten.  


Nicht zuletzt deswegen konnte der Doge Pietro Gradenigo früh genug wirksame Vorkehrungen treffen und den Aufstand vollständig niederschlagen. Die Republik Venedig erließ der alten Dame aus Dankbarkeit die Miete ihres Hauses und zahlte ihr bis an ihr Lebensende eine großzügige Rente. 

In Erinnerung an die ungewöhnliche Heldin ließ eine Bewohnerin des Hauses im Jahre 1861 ein Relief aus Naturstein modellieren. So würde Giustina Rossi, die Frau, die die Stadt einst mit ihrem Mörser vor einer Diktatur gerettet hat, niemals in Vergessenheit geraten. Man findet das Kunstwerk, wenn man entlang der Mercerie dell'Orologio in Richtung Markusplatz läuft. Kurz vor dem Uhrenturm befindet sich rechterhand ein Torbogen (Sotoportego e Calle del Cappello nero) und darüber das Relief.

Der Aufstand von Baiamonte war im Übrigen der letzte Versuch einer Adelsfamilie, eine Erbmonarchie in Venedig durchzusetzen. Zur Wahrung der Verfassung wurde nach diesem Ereignis ein Gerichtshof eingesetzt. Der sogenannte Rat der Zehn sollte sich in der Folgezeit zu einer der mächtigsten Verfassungsorgane der Republik entwickeln.


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