29 November 2020

Erste Flugreise nach dem Lockdown - Tag 5 auf Sizilien

Wie bereits erwähnt, bin ich Mitte September zum ersten Mal wieder nach Italien geflogen - Und zwar auf die schöne Insel Sizilien!

In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über meinen fünften Tag vor Ort!




An diesem Morgen klingelt der Wecker besonders früh. Und das hat einen guten Grund, denn heute werde ich mir zum ersten Mal in meinem Leben einen Sonnenaufgang ansehen! Müde taste ich nach dem Handy und stelle den Wecker aus.  

 

Es ist kurz nach 05:30 Uhr, als ich die Balkontüren öffne und die frische Morgenluft einatme. Noch ist es recht kühl draußen. Die Landschaft wirkt verschlafen, alles scheint wie in einen lila Schleier gehüllt. Nur mit viel Mühe lassen sich Himmel und Meer voneinander unterscheiden. In der Ferne erkenne ich einige kleine Boote - Ob Sie den Fisch fangen, der heute Abend in den umliegenden Restaurants serviert wird? 

 

Über dem gesamten Ort liegt eine angenehme Stille. Auf der sonst stark frequentierten SS114 herrscht noch kein Verkehr, sodass außer ein paar Möwen und kleinerer Wellen, die sanft ans Ufer schwappen, ist weit und breit kein Laut zu hören. Ich koche mir eine Tasse Früchtetee auf, fülle eine Handvoll Pan di Stelle auf einen Teller und setze mich damit auf den Balkon. Zufrieden lehne ich mich zurück und betrachte die Mondsichel, deren blasses Licht sich nur noch vage auf dem Meer spiegelt. Während ich die Schokoladenkekse esse, bemerke ich, dass einige Wolken sich bereits orange verfärben. Lange kann es nicht mehr dauern!


Tatsächlich taucht wenige Minuten später eine feuerrote Linie am Horizont auf. Mit jeder Sekunde nimmt sie an Masse zu, sodass ich schon bald blinzeln muss. Dort, wo schemenhaft die Umrisse von Kalabrien zu erkennen sind, bildet sich nach und nach ein glühend roter Sonnenball. Meine Müdigkeit ist mit einem Mal verpufft - Zu beeindruckend ist das Spektakel, dass sich gerade vor meinen Augen abspielt. Es ist sogar noch schöner, als ich mir in meiner Phantasie ausgemalt habe! Ganz langsam, und dennoch mit bloßem Auge erkennbar, schiebt sich die leuchtende Kugel immer weiter den Himmel hinauf und erweckt mit ihren warmen Strahlen Stück für Stück die Landschaft aus ihrem Dornröschenschlaf. 

Im Nebenhaus öffnet sich die Balkontür. Ein älterer Herr Mitte 70 ist ebenfalls früh auf den Beinen. Nur mit einer Unterhose bekleidet tritt er an die Balkonbrüstung und hält den Sonnenaufgang mit seinem Smartphone fest. Als er mich entdeckt, dreht er sich schnell weg und kehrt peinlich berührt in seine Wohnung zurück. Ich muss unweigerlich grinsen. Nachdem auch ich mehrere Fotos geschossen, und alle Kekse aufgegessen habe, gebe ich der Versuchung nach und lege mich noch ein Stündchen ins Bett. 


Nach dem Frühstück möchte ich der Isola Bella einen Besuch abstatten. Schon auf dem Weg dorthin wird mir allerdings klar, dass die gesamte Insel die gleiche Idee gehabt zu haben scheint: Die Straße, die zu dem malerischen Strandabschnitt führt, ist bis auf den letzten Fleck zugeparkt. Das hätte ich mir eigentlich auch denken können, denn heute ist Sonntag. Enttäuscht verwerfe ich meinen Plan und schiebe den Besuch der winzigen Insel auf den nächsten Sizilienurlaub. Hoffentlich lässt dieser nicht so lange auf sich warten! Ich beschließe, weiter Richtung Letojanni zu fahren. Dort angekommen, schaut es tatsächlich etwas leerer aus. 

 

Auf der anderen Straßenseite entdecke ich eine schmale, halb zugewachsene Schotterzufahrt, die an einen unscheinbaren Kiesstrand führt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Wagen an Ort und Stelle geparkt werden darf, beschließe aber, es drauf ankommen zu lassen.  


Nachdem ich meine Strandtasche abgelegt habe, setze ich mich ans Wasser. Meine Gedanken schweifen ab, kaum dass das angenehm kühle Nass meine Füße umspült. Ich sammle ein paar bunte Steinchen, die im Sonnenlicht wie Diamanten funkeln. 

Dann lasse ich mich ins Wasser gleiten. Ich breite die Arme aus, lasse mich vom Meer tragen und schmecke einen Hauch Salz auf meinen Lippen. Wie gerne hätte ich das Meer daheim vor der Haustür!

 

Zurück auf meinem Handtuch lasse ich mich von den warmen Sonnenstrahlen trocknen und schreibe die Ereignisse der letzten Tage in mein Reisetagebuch. Ein paar Meter von mir entfernt bemerke ich einen kleinen Jungen mit seiner Familie. Ich schätze ihn auf etwa 8 Jahre und beobachte, wie er mit seinen Eltern angelt. Wieder und wieder versucht er, die Schnur möglichst weit auszuwerfen, doch es will ihm nicht recht gelingen. Resigniert lässt er den Kopf hängen und scheint dem Aufgeben nahe. 

 

Irgendwann döse ich ein. Als ich eine gute halbe Stunde später von triumphierendem Jubel geweckt werde, schaue ich mich verwundert um. Der kleine Junge hat tatsächlich einen Fisch an der Angel und ruft aufgeregt nach seinem Vater. Die ganze Familie eilt herbei und feuert ihn an. Als er schließlich mithilfe seines Vaters eine Sardine aus dem Wasser zieht, ertönt von allen Seiten anerkennender Applaus. Das stolze Grinsen des Jungen ist ansteckend und bringt mich zum Schmunzeln. 

 

Am späten Nachmittag verlasse ich den Strand. Auf den heutigen Abend freue ich mich ganz besonders, denn ich habe mir vorgenommen, richtig schön essen zu gehen! Schon während ich dusche, überlege ich, worauf ich Hunger habe. Im Vorfeld habe ich bereits mehrere Lokale herausgesucht. Die Wahl fällt schließlich auf das Restaurant des Lido di romantico, das über einen großzügigen Außenbereich verfügt. Der Kellner weist mir einen Tisch zu, der sich direkt am Strand befindet. Wie romantisch, ich bin begeistert! Von hier aus habe ich nicht nur einen tollen Blick auf das Meer, sondern auch auf Taormina


Als Vorspeise bestelle ich mir eine für Sizilien typische Parmigiana di MelanzaneFür den Hauptgang wähle ich Schwertfisch in einem Sugo aus Tomaten, Kapern, Oliven und Sultaninen. Ich frage außerdem nach Kabir, einem süßen Weißwein, den ich vor 2 Jahren in Taormina kennen und lieben gelernt habe. Leider steht er nicht zur Auswahl, doch der Kellner verspricht mir eine Alternative. Er kehrt mit einem Glas bernsteinfarbener Flüssigkeit zurück, deren beißender Geruch mir sofort verrät, dass ich das Zeug nicht runterkriege. Ich muss es irgendwie loswerden. Unhöflich will ich aber auch nicht sein! So lasse ich den Schnaps nicht zurückgehen, sondern kippe ihn zu meiner Schande im Laufe des Abends in den Sand.  

Das Essen hingegen ist großartig! Die Parmigiana duftet verführerisch und schmeckt angenehm würzig. Auch der Schwertfisch ist köstlich und zergeht auf der Zunge. Hätte man mir vor einigen Jahren erzählt, dass ich mal so gerne Kapern essen würde, hätte ich wohl laut gelacht!


Nur  mit größter Mühe schaffe ich meine Portion. Dennoch möchte ich unbedingt noch ein Cannolo bestellen - Wer weiß schon, wann ich das nächste Mal in den Genuss komme, dieses sizilianische Dessert zu naschen? 

Zwar lassen sich die süßen, mit Ricotta gefüllten Röllchen hin und wieder auch in meiner Heimat finden, doch abgesehen von der fehlenden mediterranen Atmosphäre sind sie natürlich auch geschmacklich nicht mit denen aus Italien zu vergleichen. Als ich den letzten Bissen nehme, platze ich fast. Aber was solls, dafür bin ich glücklich!


Auf dem Rückweg lausche ich bewusst den Wellen. Auch wenn ich morgen noch einen kompletten Tag zur Verfügung habe, so verspüre ich bereits jetzt einen leichten Abschiedsschmerz. Ich blicke mich um und beobachte das bunte Treiben. Auf der Mauer der Promenade sitzen Jung und Alt zusammen und genießen genau wie ich den Moment dieser magischen Nacht. Morgen werde ich mir nochmal einen richtig schönen Tag in Taormina machen! 


Erfahre mehr über meinen Aufenthalt!



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