Sonntag, 15. September 2019

Steckbrief Neapel

Neapel sehen und sterben - Wo dieses Sprichwort herkommt, weiß niemand so genau. Fest steht allerdings, dass die Stadt so vielfältig ist, dass ein einziges Leben kaum ausreicht, sie vollständig kennenzulernen. 

In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über die Hauptstadt Kampaniens.


 

Mit knapp einer Million Einwohner ist Neapel nach Rom und Mailand nicht nur die drittgrößte Stadt Italiens, sondern gleichzeitig auch die am dichtesten bevölkerte Metropole Europas. Sie liegt an der 30 km langen Küste am Golf von Neapel und zählt bereits zum Süden des Landes.


Der Vesuv - Ein gigantischer, schlafender Riese
Etwa 24 km vom Stadtzentrum entfernt befindet sich der Vesuv, einer der bekanntesten und gefährlichsten Vulkane der Welt. Er ist übrigens der einzige aktive Vulkan auf europäischem Festland. Mit einer Höhe von ca. 1.281 m wacht er seit rund 17.000 Jahren über den beliebten Küstenabschnitt. 

Die rote Zone umfasst insgesamt 18 Vororte, in denen mehr als 600.000 Menschen leben. Der letzte Ausbruch des Vesuvs fand im Jahr 1944 während des zweiten Weltkriegs statt. Hierbei ist auch der gewaltige leere Krater entstanden.



Die gesamte Metropole gilt als Bühne des italienischen Lebens. Kaum irgendwo sonst trifft man auf so viele Gegensätze wie in Neapel. Schon beim Landeanflug offenbart ein Blick aus dem Fenster ein buntes Mischmasch von Widersprüchlichkeiten: Riesige, von schäbigen Hochhäusern dominierte Wohnkomplexe vermischen sich mit romantischen Gassen, hinter denen beeindruckende Plätze aufwarten.


Die Geschichte Neapels reicht bis in das 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Demzufolge verfügt die Stadt über zahlreiche historische Gebäude und Kulturdenkmäler, darunter etliche Kirchen, Kloster und Festungen. Das Castel Nuovo (13. Jh.), das Castel Sant’Elmo und das Castel dell’Ovo prägen das Stadtbild. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen außerdem der prachtvolle Königspalast Palazzo Reale, sowie die Kathedrale Duomo di San Gennaro.


Im Jahr 1995 wurde die Altstadt offiziell zum Weltkulturerbe erklärt. Laut der UNESCO besitzt Neapel sogar den größten Bestand an historischen Monumenten in ganz Italien. Diese Tatsache ist Segen und Fluch zugleich, denn auch wenn die Stadt ein Magnet für Touristen ist, verfallen gerade im historischen Zentrum zahlreiche Paläste. Der Putz der Fassaden bröckelt zunehmend ab und die Fresken innerhalb der historischen Kirchen verblassen immer mehr. Für Restaurierungen fehlt das nötigen Kleingeld an allen Ecken und Enden.


Nicht alle Gassen in Neapel wirken einladend
Ein weiteres Problem ist die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit. Hierdurch bedingt hat die vor allem in Neapel und Umland verbreitete Camorra einen hohen Zulauf. Sie bietet den Jugendlichen illegale Arbeit an, die gut bezahlt wird. Viele Heranwachsende steigen aus der Not heraus in das Geschäft der Mafia ein und geraten so auf die schiefe Bahn. Immer wieder hört man von Überfällen, die durch sogenannte Baby-Gangs organisiert werden. Die ihnen angehörenden Scugnizzi (Straßenkinder) sorgen bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen für Angst.

 

Die hohe Armutsquote der Stadt hat allerdings auch die schöne Idee "Caffè sospeso" ins Leben gerufen. Darunter versteht man einen im Voraus bezahlten Kaffee für jemanden, der selbst kein Geld dafür hat. Auch im Gran Caffè Gambrinus, dem ältesten Café Neapels, trifft man auf diese Form der Nächstenliebe. Mehr über den spendierten Kaffee erfahrt ihr in diesem Artikel!


Für Stirnrunzeln sorgt hingegen der neapolitanische Dialekt. Dieser ist nicht ansatzweise mit dem Standard-Italienisch vergleichbar und klingt oftmals wie eine völlig andere Sprache. Der Name der Stadt hat seinen Ursprung übrigens in der Gründungszeit durch die Griechen. In diesem Artikel erfahrt ihr mehr! 

Ob man nun mit dem Flugzeug anreist, das dichte Autobahnnetz der Stadt nutzt, oder Neapels Sehenswürdigkeiten mithilfe des gut ausgebauten Schienennetzes der Ferrovie dello Stato Italiane erkundet: Die hervorragende Anbindung an die Fernverkehrssysteme macht die Metropole zu einem unkomplizierten Ausflugsziel. 

Capri, Sorrent und viele weitere Ortschaften lassen sich übrigens auch mit dem Schiff von Neapels Hafen erkunden.

Die berühmte Krippenstraße
Typisch für die Stadt sind die neapolitanischen Krippen. Diese spiegeln Neapel zum Zeitraum des 18. Jh. wider und werden daher traditionell auch genauso nachgebaut. In der sogenannten Krippengasse Via S. Gregorio Armeno kann man sich einen ersten Eindruck über das kreative Handwerk verschaffen.  Das ganze Jahr über ist hier ein Hauch von Weihnachten zu spüren. Viele der Krippenbauer sind bereits in mehrfacher Generation in ihrem Beruf tätig. Die originalen Figuren werden übrigens allesamt von Hand angefertigt. Während Kopf, Arme und Füße aus Terrakotta bestehen, wird der Rest aus einem Bast- und Drahtgeflecht gebaut. Damit das Ganze am Ende so realistisch wie möglich wirkt, sind die Figuren natürlich voll beweglich.

Der Cimitero delle Fontanelle - Gänsehaut garantiert!
Nur einen Katzensprung entfernt liegt das unterirdische Neapel Sotterranea. Interessierte können sich hier 40 m unter die Erde begeben, um einen Blick in das damalige Zisternensystem der Metropole zu werfen. Buchbare Führungen vermitteln den Besuchern aufschlussreiche Informationen über das ursprüngliche Wassersystem. Man sollte allerdings keine Platzangst haben, denn der Weg führt durch äußerst schmale Gänge.

Ein weiteres Highlight ist der Cimitero delle Fontanelle. Dieser einzigartige Friedhof hat mich so beeindruckt, dass ich ihm einen eigenen Artikel gewidmet habe. Hier erfahrt ihr mehr!


Ob die Pizza nun in Neapel erfunden wurde, darüber streiten sich die Geister. Fakt ist allerdings, dass die Pizza Margherita hier entstanden ist. Anlass war der Besuch der Königin Ende des 19. Jahrhunderts, für welche einst eine Pizza kreiert wurde, die die italienische Tricolore widerspiegeln sollte. So wählte man Basilikum, Mozzarella und Tomaten für den Belag aus und freute sich über die positive Reaktion der Königin. Der Unterschied zwischen der neapolitanischen Pizza und der "normalen" Pizza liegt unter anderem in der Dicke des Teiges. Auch die Pizza fritta ist ein verbreitetes Gericht in Neapel und an jeder Ecke für kleines Geld zu finden.


Spätestens bei einem Spaziergang durch Neapels Gassen wird klar, wieso die Metropole auch "Stadt der Pulcinellas" genannt wird. Der Pulcinella ist eine ulkige Figur des Volkstheaters, die mit Kasperle oder Hanswurst vergleichbar ist. Er ist schlau, schelmisch, aber auch sehr trottelig und gefräßigMan erkennt das seltsame Männchen an einer schwarzen Halbmaske, einem weißen Kostüm und einer spitzen Mütze. In Acerra gibt es sogar ein Pulcinella-Museum (Museo di Pulcinella).



Die Neapolitaner sind stolz auf ihre Herkunft
Zu den bekannten Persönlichkeiten Neapels zählen übrigens Sophia Loren (geboren in Pozzuoli) und Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer

Es lohnt sich, ein paar Tage in dieser kunterbunten Großstadt zu verbringen und ihre Besonderheiten zu entdecken! Von dem chaotischen Straßenverkehr rate ich allerdings dringend ab! ;)

Wusstet ihr eigentlich, dass man der Metropole sogar eine eigene, kleine Stadthymne zuschreibt? Mehr über den Ohrwurm erfahrt ihr ebenfalls in Kürze!


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1 Kommentar:

  1. Liebe Nina, ich bin wieder von deiner Schreibweise gefesselt. Es ist einfach nie langweilig. Du berichtest von so vielen verschiedenen Facetten Italiens. Man merkt du liebst dieses Land. Also weiter so, ich freue mich schon auf den nächsten Artikel. ��

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