Sonntag, 19. Mai 2019

4711 - Ein echt italienisches Wasser!

Es gibt wohl kaum jemanden, der das berühmte Kölnisch Wasser nicht kennt. Aber wusstet ihr auch, dass der Schöpfer des Parfüms ein Italiener war?

Alles über die interessante Geschichte erfahrt ihr in diesem Artikel! (Hinweis: Werbung, da Markennennung)




Die Idee
Es war Giovanni Maria Farina (*08.12.1685 - ✝25.11.1766), der im Jahre 1709 geschäftlich in Köln unterwegs war und dort einen der berühmtesten Düfte der Welt kreierte. Aus Liebe zu seinem Geburtsort Piemont nutzte er für die Herstellung des Parfüms ausschließlich Zusätze, die ihn an seine Heimat erinnerten: Zitronen-, Mandarinen- und Orangenöl, Limette, Pampelmuse, Bergamotte, einen Hauch Zeder, sowie einige Kräuter. Dass er damit den Grundstein der modernen Parfümerie legen würde, hätte Farina wohl nie gedacht. Er selbst beschrieb sein Werk ganz bescheiden:

"Ich habe einen Duft erfunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen und Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich und stärkt meine Sinne und meine Phantasie."

Noch im gleichen Jahr gründete er das Unternehmen "Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH".  


Ein Parfüm geht um die Welt
Zusätzlich zu dem frischen Duft wurde dem Parfüm einige Zeit später auch eine heilende Wirkung nachgesagt, sodass das Produkt kurz darauf sogar als Wunderwasser (lat. Aqua mirabilis) bezeichnet wurde. Als es daraufhin über die deutsche Grenze hinaus bekannt wurde, ging man zu der französischen Bezeichnung "Eau de Cologne" über. Dies deshalb, weil Französisch zum damaligen Zeitpunkt ein Merkmal der feinen Gesellschaft war und zudem als Sprache des Handels galt.

Aufgrund seiner Beliebtheit wurde der Duft Ende des 18. Jahrhunderts unzählige Male kopiert und mit identischem Namen unter das Volk gebracht. Einen Markenschutz gab es damals noch nicht, weshalb die Verbreitung der Plagiate hunderte Rechtsstreite mit sich zog.

Im Gegensatz zu anderen Düften war das Kölnisch Wasser auch zu jener Zeit schon vergleichsweise günstig, sodass auch Personen der Mittelschicht sich hin und wieder ein Fläschchen leisten konnten. Bis das Parfüm sich 1830 in Großbritannien als Duft für beide Geschlechter durchsetzte, wurde es übrigens fast ausschließlich von Männern benutzt. 

Zu den prominentesten Anhängern des Duftwassers zählten im Laufe der Jahre unter anderem das englische Königshaus, Kaiserin Sissi, Ludwig XV., Voltaire und Mozart. Auch Napoleon soll pro Monat etwa 30 Fläschchen gekauft, und als Badezusatz benutzt haben. Goethe hingegen bevorzugte angeblich in Eau de Cologne getränkte Taschentücher, die er stets in seinem Schreibtisch aufbewahrte.  


Daten und Fakten
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Parfüm schließlich auch von dem Kölner Kaufmann Wilhelm Mülhens hergestellt, der die Rezeptur angeblich von einem Kartäusermönch zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte. Die Ziffern "4711" stammen übrigens von der ehemaligen Hausnummer seines Firmenstammhauses, das sich seinerzeit in der Kölner Glockengasse befand. Im Dezember 2006 wurde die Marke 4711 dann von dem Parfüm- und Kosmetikunternehmen Mäurer & Wirtz übernommen. 

Das Kölnisch Wässer zählt zu den ältesten, heute noch hergestellten Parfüms der Welt. Mittlerweile sind diverse Varianten mit dem Namen "Eau de Cologne" oder "Kölnisch Wasser" auf dem Markt erhältlich, allerdings sind nur zwei davon tatsächlich mit dem italienischen Schöpfer verwandt:

  1. Das aus Köln stammende "Echt Kölnisch Wasser" (auch "Original Eau de Cologne"),
  2. Das seit 1806 in Frankreich erhältliche "Eau de Cologne originelle Jean-Marie Farina".

Die zweite Variante geht auf den Großneffen Farinas zurück, welcher seinerzeit in Paris lebte und dort sein eigenes Rezept entwickelte.



Auf den Spuren des Erfinders 
Die letzte Ruhestätte von Farina befindet sich auf dem bekannten Melatenfriedhof in Köln. Auf der Grabstelle seines Enkels Giovanni Battista Farina am Hauptweg findet sich auch eine Gedenktafel. Die Stadt Köln ehrte den Italiener außerdem mit einer am Rathausturm angebrachten Statue.


Das Eau de Cologne ist auch im Drogeriemarkt erhältlich
Das Unternehmen Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH ist heute die älteste bestehende Parfümfabrik der Welt. Ihr Erkennungsmerkmal ist eine rote Tulpe. Die Fabrik wird seit jeher über Generationen hinweg von den Urenkeln des Parfümschöpfers fortgeführt.

Der Stammsitz des Unternehmens ist das sogenannte "Farina-Haus". Es liegt ganz in der Nähe des Kölner Rathauses, nur etwa 5 Gehminuten von dort entfernt. In dem Gebäude befindet sich heute das Kölner Duftmuseum. Auf insgesamt drei Etagen bietet es Interessierten die Möglichkeit, in die über 300 Jahre alte Duftgeschichte einzutauchen.


Die historischen Räume beinhalten unter anderem verschiedene Dokumente und Bilder, die den Besuchern einen ersten Einblick in die Parfümherstellung und deren Entwicklung geben. Im angrenzenden Museumsshop findet man außerdem alle Düfte aus dem Hause Farina. Besichtigen kann man das Duftmuseum täglich zu folgenden Zeiten:

Montag - Samstag: 10:00 Uhr - 19:00 Uhr
Sonntag: 11:00 Uhr - 17:00 Uhr

Der Eintrittspreis beträgt 5,00 Euro. Zu jeder vollen Stunde werden außerdem 45-minütige Führungen in verschiedenen Sprachen angeboten. Ein Besuch lohnt sich sicher!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen