Samstag, 14. April 2018

Italiener erzählen aus ihrem Leben - Ein Interview

Es sind die persönlichen Dinge, die Menschen ausmachen. Und deshalb möchte ich euch nach und nach Italiener aus meinem Bekanntenkreis und aus der Umgebung vorstellen, die ganz persönlich von sich berichten.

In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über Mauro Cidaria: Ein Urgestein der italienischen Gastronomie.




1. Fangen wir mit einer kleinen Vorstellungsrunde an. Mauro, verrate uns wer du bist!

Mein Name ist Mauro Cidaria und ich bin am 03.12.1956 geboren. 
Ich habe drei Kinder: Eine Tochter (Vanessa) und zwei Söhne (Stefano und Francesco).



2. Wo bist du geboren und aufgewachsen?

Ich bin in Feltre geboren und groß geworden. Die Stadt liegt in Norditalien und ist etwa 100 Kilometer von Venedig entfernt.

3. Wie lange lebst du schon in Deutschland und was hat dich hierher verschlagen?

Ich lebe schon seit 40 Jahren in Deutschland. Im Jahr 1977 bin ich nach Abschluss der Hotelfachschule hierher gekommen und habe zunächst in der Küche des Düsseldorfer Parkhotels gearbeitet. Dort sollte ich der Küchencrew zeigen, wie man Pasta herstellt. Auch die Zubereitung der holländischen Bernaise-Soße habe ich in Italien erlernt und sollte sie an die Köche in Deutschland weitergeben.



4. Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Nachdem ich einige Jahre in Düsseldorf gearbeitet habe, wollte ich mich selbstständig machen. Vor etwa 35 Jahren habe ich dann das Restaurant "Trulli" in der Gelsenkirchener Innenstadt eröffnet. Dieses habe ich bis Januar 2005 geleitet. Nach einer Auszeit in Italien hat mein Sohn Francesco das Restaurant im Sommer 2013 an seiner ursprünglichen Stelle wieder neu eröffnet. Seitdem arbeite ich im Service mit, nehme die Bestellungen der Gäste auf und serviere die Gerichte. Schaut gern mal bei uns vorbei!

5. Wie ist die wirtschaftliche Situation in Italien - Könntest du mit deinem Beruf dort auch (über)leben?

Ja, das denke ich schon. Die italienische Küche ist überall auf der Welt bekannt und wird von vielen Nationen sehr geschätzt, sodass ich mit meiner Erfahrung auch in Italien oder anderen Ländern Geld verdienen könnte.

6. Wenn du noch mal entscheiden könntest - Würdest du wieder nach Deutschland kommen?

Nein, auf keinen Fall. Mir gefällt es zwar in Deutschland, aber wenn ich nochmal entscheiden könnte, würde ich ein anderes Land auswählen. Irgendwo im Süden, wo es wärmer ist als hier. Vielleicht würde ich nach Griechenland, Spanien oder Malta gehen. Oder direkt in Italien bleiben.

7. Was liebst du an deiner Heimat besonders?

Mir gefällt die Lebensfreude der Italiener. Sie nehmen das Leben nicht so schwer, fokussieren sich auf die wichtigen Dinge im Leben wie Familie und das gemeinsame Essen. Sie regen sich nicht über Belanglosigkeiten wie eine Beule im Auto oder Unpünktlichkeit auf, sondern genießen einfach das Leben in vollen Zügen.

8. Als waschechter Italiener bist du sicher auch ein Fußballfan. Für welchen Verein schlägt dein Herz?

Oh ja! Obwohl ich in Gelsenkirchen wohne, schlägt mein Herz nicht für die Schalker Mannschaft sondern für Inter Mailand.

9. Was sind deine Lieblingsplätze in Italien und warum?

Das ist eine schwierige Frage, denn mir gefällt es überall in Italien! Ich mag die vielen Cafés, in denen die Menschen Espresso trinken und die Bars, in denen Jung und Alt auf einen Aperitif zusammenkommen. Italien hat einfach unzählige schöne Plätze, die ein besonderes Flair verbreiten. Ich persönlich verbinde viel mit der Piazza Maggiore in meinem Geburtsort Feltre. 


10. Was gefällt dir an Deutschland und was nicht?

Eigentlich gefällt mir hier alles, ich fühle mich sehr wohl in Deutschland! Es gibt viele schöne Plätze zu entdecken und alles ist sauber. Im Gegensatz zu manch Anderen stört mich auch die wachsende Zahl der Ausländer nicht. Die Pünktlichkeit der Deutschen schätze ich ebenfalls sehr und natürlich auch die hübschen Frauen. ;) Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist das Wetter hier. Oft regnet es und ist kalt. Das ist in Italien anders.

11. Was ist für dich typisch deutsch, und was typisch italienisch?

Typisch deutsch sind für mich die Pünktlichkeit und die gute Organisation. Auch im Berufsleben ist alles geregelt und bei guter Arbeit wird in Deutschland auch mal ein Lob ausgesprochen. Auch Verschlossenheit verbinde ich mit den Deutschen. Manchmal sind sie mir noch heute ein Rätsel, nach über 40 Jahren habe ich sie immer noch nicht durchschaut (lacht).

Typisch italienisch ist für mich der ganz eigene Humor der Menschen. Viele sind Schauspieler oder Wichtigtuer. Und viele Italiener sind intelligent, aber ein bisschen faul.

12. Wo möchtest du deinen Lebensabend verbringen - In Deutschland oder in Italien?

Weder noch. Am liebsten würde ich meinen Lebensabend in Portugal verbringen. Vielleicht in Porto oder in Lissabon, dort gefällt es mir gut!


13. Was tust du bei Fern-, bzw. Heimweh?

Fernweh habe ich weniger. Doch das Heimweh nach meinem Geburtsort nagt täglich an mir. Dafür gibt es leider kein Wundermittel. Ich versuche in diesen Momenten, an etwas anderes zu denken.


14. Wie und wo verbringst du die Oster- und Weihnachtsfeiertage?

(Lacht laut) Ich bin Gastronom! Das heißt, ich arbeite jedes Jahr an Ostern und an Weihnachten und bekomme von den Feiertagen deshalb nicht sehr viel mit.


15. Hast du ein Lebensmotto oder ein Lieblingszitat?

Ja! Es lautet: "Fai sempre quello che ti piace nella vita e sarai sempre felice e contento. Fai sempre quello che vuoi e diventerai un grande sarai sodisfatto nei tutti i tuo sensi." Das bedeutet so viel wie: "Mache immer das im Leben, was dir gefällt und du wirst immer glücklich sein. Tue immer das, was willst und du wirst großartig sein mit all deinen Fähigkeiten."


16. Was wünscht du dir für die Zukunft?

Für meine Zukunft wünsche ich mir nur eines: Gesundheit für meine Familie und mich. Das ist schließlich das größte Hab und Gut!

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