Mittwoch, 19. Oktober 2016

Fernweh...

Darüber sollte ich mich eigentlich nicht beklagen können, so oft wie ich in der letzten Zeit in den Urlaub geflogen bin. Tja, schön wär´s...

Ein Artikel über das bittersüße Gefühl von Fernweh.






Ein Blick nach draußen. Dicke Regentropfen prasseln gegen das Fenster und ziehen ihre Bahnen. Der Herbstwind peitscht durch die Bäume und scheucht die bunten Blätter durch das nasse Grau. Es ist kalt geworden in Deutschland.

Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass ich aus Sardinien zurück bin. Und trotzdem habe ich schon wieder schreckliches Fernweh... 

 
Es scheint sogar, als wäre dieses Gefühl nach dem Urlaub noch stärker als in der Zeit davor, in der man sehnsüchtig die Tage bis zum Abflug gezählt hat. "Aber du warst doch gerade erst im Urlaub?!" Ja, ich weiß... Von der Erholung ist aber irgendwie nichts mehr zu spüren. Kaum zuhause angekommen, ist man dem Alltag wieder vollends ausgeliefert. Arzttermine, TÜV und die Flurwoche sind nur einige der nervigen Dinge, die mir schon beim ersten Schritt in die Wohnung wieder frech ins Gesicht grinsen. Ich hasse es.


Warum zieht sich die Zeit bis zum Urlaub immer ewig lange hin und geht vor Ort dann jedes Mal wie im Flug vorbei? Noch nicht einmal die Hälfte meiner Urlaubszeit war um, da dachte ich schon wieder traurig an den Rückflug in der nächsten Woche. Im Lotto müsste man gewinnen...

Natürlich freut man sich auch auf seine Familie, Freunde und auf die Stubentiger. Aber die warme Sonne... Die endlosen Sandstrände... Das salzige, glitzernde Meer... Der gute Cappuccino und die schöne italienische Sprache, die sich von melodisch geschwungenen Wörtern plötzlich wieder in "Alter!" und "Muss, ne..." verwandelt. Da wird man doch zwangsläufig depressiv...

Ich laufe durch den Park. Sport soll angeblich trübe Gedanken verscheuchen... Hat leider nicht funktioniert. Daher nehme ich es wörtlich und setze auf Rittersport. Die Tafel Schokolade aus meiner Schublade stellt mich zumindest für die nächste Stunde ruhig.



Es heißt man soll versuchen, möglichst lange von seinem letzten Urlaub zu zehren. Aber wie soll das gehen? Wenn ich an die schönen Tage dort denke und mir die traumhaften Bilder von Sardinien in Erinnerung rufe, werde ich bloß traurig und will sofort wieder zurück! 

Ich setze mich in eine Eisdiele und schaue in den Himmel. Das Eis schmeckt zwar, aber natürlich nicht so gut wie in Italien. 
Ich denke an Rom. Nächsten Monat ist es schon soweit! Aber was ist mit der Zeit danach...? Vielleicht habe ich gar kein Fernweh sondern bin schon fernsüchtig, schießt es mir durch den Kopf.

Eine Familie mit Hund setzt sich an den Nebentisch. Die Frau hält dem Rottweiler ein eigenes Hörnchen mit einer Kugel Vanille-Eis hin. Ich sehe zu, wie er sich gierig über das Eis hermacht und muss grinsen. Hat mich doch noch etwas aufgeheitert an diesem komischen Tag.

Abends denke ich über ein Heilmittel gegen Fernweh nach. Aber mir fällt nichts ein, außer im Süßkram-Chaos zu versinken und schnell ein neues Ziel zu suchen, auf das ich mich dann die nächsten Monate freuen kann. Es wird also ein langer Abend...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen