Sonntag, 26. Januar 2020

Il Gobbo di Rialto - Der Bucklige von Rialto

Es ist kein Geheimnis, dass Venedig reich an imposanten Bauwerken und historischen Denkmälern ist. Aber kennt ihr auch diesen kleinen Kerl hier?

Im heutigen Artikel erfahrt ihr mehr über den Gobbo di Rialto und die blutige Pietra del Bando!




Ganz in der Nähe der Rialtobrücke befindet sich der Campo San Giacomo di Rialto. Dieser Ort zählte einst zu den wichtigsten Handelsplätzen der Lagunenstadt und beherbergt zudem das gleichnamige Gotteshaus San Giacomo di Rialto (kurz: "San Giacometto"). Aufgrund dieser Kirche, die übrigens die älteste von Venedig ist, wird jedoch ein anderes Stück Historie des Platzes leicht übersehen: Die seltsame Marmorfigur, die mit starrem Blick die rötliche Säule neben sich zu bewachen scheint.  


Mit starrem Blick fixiert der Bucklige seine Besucher
Genau wie auf dem Markusplatz  wurden die wichtigsten Entscheidungen seinerzeit auch auf dem oben genannten Campo verkündet. Hierzu zählten auch die Todesurteile. Um die öffentlichen Bekanntmachungen für jedermann hörbar zu verlesen, nutzte man die sogenannte Pietra del Bando: Eine als Podium dienende Säule aus Porphyr, die man aufgrund ihrer Funktion auch Stein der Ankündigung nannte.

Die Säule wurde außerdem dafür genutzt, um dem Volk die abgetrennten Köpfe der zum Tode verurteilten Verbrecher zu präsentieren. Drei Tage und Nächte lang wurden die Häupter darauf zur Schau gestellt, um die Wirksamkeit der Justiz zu verdeutlichen. 

Links der Gobbo di Rialto, rechts die Pietra del Bando
Bevor die Säule ihren heutigen Platz erhielt, befand sie sich übrigens an der südwestlichen Ecke des Markusplatzes. Beim Einsturz des Glockenturms im Jahre 1902 hielt sie zur Freude der Venezianer einige Trümmerbrocken davon ab, die schöne Basilika zu beschädigen.

Doch zurück zu der kuriosen Figur: Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist ein Werk von Pietro da Salò, einem Schüler von Sansovino. Die Skulptur besteht aus istrischem Marmor und zeigt einen knienden Mann, der eine Leiter stützt. Diese wurde für den Aufstieg zur oben genannten Säule verwendet.


Die Figur wird allgemein als "Der Bucklige von Rialto" (ital. Il Gobbo di Rialto) bezeichnet. Wurde man zur damaligen Zeit zum Auspeitschen verurteilt, so musste man - beginnend auf der Piazzetta von San Marco - den knapp einen Kilometer langen Weg bis zur Figur des Buckligen zurücklegen. Das Ganze natürlich nackt und unter den spöttischen Blicken der Menschen, die sich auf die Straßen drängten und mit Peitschenhieben und Schlägen nicht geizten. Erst wenn man den Campo erreichte und die Statue reumütig küsste, endete die Folter.

Im Jahr 1836 wurde die Figur von der Kommune restauriert. Seitdem ist die oberhalb des Kopfes befindliche Platte mit einer lateinischen Inschrift versehen, die übersetzt soviel bedeutet wie: "Die steinerne Treppe zur Verkündung der Gesetze der Republik wurde mit Mitteln der Stadt im Jahre 1836 restauriert". Zum Schutz der geschichtsträchtigen Kunstwerke sind sowohl die Säule, als auch der Gobbo di Rialto mittlerweile durch ein Eisengitter geschützt.


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